Bild des Monats - Geschichtswerkstatt Horn

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Bild des Monats

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November/Dezember 2023
Der traurige Rest einer Horner Schule

Unser Bild zum Jahresschluss stimmt viele wohl ein wenig traurig. Besonders betroffen sind all die alten Horner, die hier zur Schule gegangen sind oder im Rahmen des Vereinssports die Turnhalle genutzt haben: Von der Schule Weddestraße ist nur noch ein Haufen Bauschutt übrig!

Am 28. Mai 1954 wurde der erste Nachkriegsneubau einer Hilfsschule - so damals die offizielle Bezeichnung - in Hamburg-Horn eingeweiht. Mit einem Kostenaufwand von 500.000 DM entstanden an der Weddestraße 28 in Horn acht Klassen, zwei Werkräume, Schulküche und Garten nach Plänen der Architekten Gustav Hassenpflug und Gerhard Dexel. Für die Schüler in den umliegenden Horner Grundschulen war sie fortan das Schreckgespenst. "Wenn du so weitermachst, kommst du bestimmt noch auf die Hilfsschule!" war ein beliebter Spruch bei Lehrern, wenn die Noten mal wieder in den Keller gingen. Manche sprachen auch abwertend vom "Brettergymnasium". "Hilfsschule" ist ein heute nicht mehr verwendeter Name für eigenständige sonderpädagogische oder heilpädagogische Schulen im deutschen Sprachraum. Sie unterrichteten auf der Basis der allgemeinen Schulpflicht Kinder, die man aus unterschiedlichen Gründen als nicht fähig zum Volksschulbesuch betrachtete. Die Konzeption richtete sich auf Schüler, die man später als Lernbehinderte oder Lernbeeinträchtigte bezeichnete. Erst in den späten 1960er Jahren verschwand der Begriff langsam und wandelte sich über "Sonderschule für Lernbehinderte" hin zur "Förderschule".
Im April 1963 kündigte man den Baubeginn für den 2. Bauabschnitt mit vier Klassen, einer Turnhalle und Fachräumen an. Das nachfolgende Bild muss in dieser Zeit entstanden sein und wurde vom gegenüberliegende Hochhaus an der Horner Rampe gemacht.
Wie damals bei städtischen Bauten üblich, erwarb die Stadt Kunstobjekte - meist von Hamburger Künstlern - und schuf so "Kunst im öffentlichen Raum". Für die Schule Weddestraße gab sie bei dem Hamburger Maler Herbert Spangenberg (* 15. Oktober 1907; † 15. August 1984) drei Bleiglasfenstermosaiken, jeweils 80 × 160 cm, in Auftrag, welche in die Fensterfront des Flures zwischen Eingangshalle und dem westlichem Schulteil eingebaut wurden. Der Künstler gab seinem Werk keinen Namen. Die Fenster wurden im März 2013 unter Denkmalschutz gestellt. Ferner wurde für das Lehrerzimmer ein Wandteppich erworben und in der Eingangshalle hing ein Wandrelief. Für diese beiden Objekte sind weder die Künstler noch die Namen der Werke bekannt.

       

Nachdem die Schule zuerst eigenständig arbeitete, wurde sie in den 2000er Jahren eine Zweigstelle der Ganztagsförderschule Hauskoppelstieg (Billstedt). Letztes Schuljahr war der Jahrgang 2012/2013. Die Schließung erfolgte mit den Sommerferien 2013. Danach gab es einen Leerstand und Umbau, ab 1. November 2013 wurde sie dann als Winternotquartier von "fördern & wohnen" genutzt. Ab 2015 war sie Übergangsquartier für Flüchtlinge mit Bleibestatus, für die man zusätzlich auf dem Schulhof ein Containerdorf errichtete. Nach Auflösung der Asylunterkunft wurden die Container im Februar 2020 demontiert. Danach gab es bis zum Abbruch der ehemaligen Schule im Sommer 2023 wieder einen Leerstand. Die zukünftige Planung sieht den Bau von 220 Mietwohnungen vor, die sich bis auf das angrenzende Kleingartenareal erstrecken sollen. Nach Behördenauskunft gibt es aber aktuell einen Planungsstopp.

Die Geschichtswerkstatt Horn hatte sich bereits beim Umbau zum Winternotquartier beim Denkmalschutzamt und Schulbau Hamburg dafür eingesetzt, dass die drei Fenster gegen Vandalismus geschützt werden. Dies geschah dann auch sehr zeitnahm mit Holzplatten. Mit dem Leerstand ab Februar 2020 wurde zusätzlich von außen ein Bauzaun davor aufgestellt. Anfang 2022 wurde auf unser Drängen hin von Schulbau Hamburg der Umzug der Fenster in den Verwaltungsbau der Schule Horner Weg 89 beschlossen, wo sie seit Mai 2022 sicher hinter den normalen Glasfenstern montiert wurden. Wir hoffen, dass bald eine rückwärtige Beleuchtung die Fenster in den Abendstunden zum strahlen bringen.
Der Wandteppich hängt seit Räumung der Schule im Wartebereich des Denkmalschutzamtes; das Wandrelief sollte aufgearbeitet und auch an die Schule Horner Weg 89 verlegt werden. So gibt es zumindest für die drei Kunstobjekte ein Happy End, was dem Schulbau leider versagt blieb.
© Geschichtswerkstatt Horn, Text: Gerd von Borstel
© Fotos: Archiv der GW Horn / D. Leverenz / Denkmalschutzamt

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