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Bild des Monats - Geschichtswerkstatt Horn

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Bild des Monats

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und informieren Sie über Hintergründe und Details zum Bild.

August - Oktober 2026
Das Lokal "Horner Park"
Teil einer Mehrmotivpostkarte aus dem Jahre 1901:
Der Saal im Lokal "Horner Park"

Im August fanden wir bei Ebay eine Mehrmotivpostkarte, die sofort unser Interesse weckte! Sie zeigte vier Ansichten des Lokals "Horner Park" an der Horner Landstraße 330 an der Ecke zum Horner Brückenweg: Die Straßenansicht, den großen Garten und den Salon/Saal. Letzteres war die "Sensation", denn das Lokal ist zwar auf mehreren Fotos und Postkarten in unserem Archiv dokumentiert, aber es gab bis jetzt keine Innenaufnahme vom Saal. Der Preis für die Karte war sogar akzeptabel; bei der Besonderheit des Motivs hätten wir aber auch ein Vielfaches ausgegeben, um in den Besitz der Karte zu kommen.

Die Postkarte von 1901 mit Straßenansicht, Saal und Garten (Fotograf: C. Lundgren, 1889-1911)

Die Geschichte des Lokals: Ende des 18. Jahrhunderts war Horn Ausflugsziel für die Bewohner im beengten Hamburg. Dazu trugen mehrere Lokalitäten an der Horner Landstraße bei. Gleich hinter der Grenze zu Hamm lag der "Schinkenkrug", an der Ecke zum Bauerberg lag Hoops Gasthof "Zur Rennbahn" und an der Landesgrenze (heute Horner Brückenweg) stand das Lokal "Letzter Heller" - ein einstöckiges Haus mit drei Erkern im Spitzdach, welches bereits auf einer Karte von 1751 eingezeichnet war. Nach mehreren Besitzerwechseln erwarb es Schardel Heinrich Berg, ein aus Russland stammender Wandermenagerist, um hier nach den Vorbildern der Menagerien in Wien und Paris sowie der Pfauen-Insel bei Potsdam für seine Tiere eine Heimat zu schaffen. Auch die seit dem 28. Juni 1840 zweite Pferde-Omnibusverbindung nach Horn mag ihn in seiner Entscheidung bestärkt haben. An die Ostwand des Lokals ließ er einen etwa 17x7 Meter großen Saal mit Spitzdach anbauen und das 287x108 Meter große Gesamtareal umfangreich neu gestalten, sodass er am 30. Mai 1841 (Pfingstsonntag) einen über zwei Hektar großen "Zoologischen oder Thiergarten" eröffnen konnte, übrigens den ersten auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands! Die ausführliche Geschichte des Tierparks lesen Sie in unserem Jahrbuch "Horner Stadtteilgeschichte(n) 2026", erhältlich in der Bücherhalle Horn.
Das Gebäude brannte 1868 komplett nieder, vom nachfolgenden Neubau ist kein Bild erhalten. Nachdem die Brüder Emil Carl und Ludwig Stockmeyer die Immobilie im Frühjahr 1881 erworben hatten, ließen die Brüder ein zweistöckiges Hotel errichten und nannten das Gesamtobjekt nebst Festhalle und großem Außenbereich "Horner Park", womit wir bei dem Lokal auf der Postkarte angekommen sind. Dieses Vergnügungs-Etablissement konnte noch zur Sommersaison 1881 eröffnet werden und galt seinerzeit als das größte Hamburgs. Den traditionsreichen Namen "Letzter Heller" hatte im selben Jahr der Gastwirt Heinrich Siemers übernommen. Sein Lokal lag einhundert Meter weiter nordöstlich an der Horner Landstraße Nr. 355.
Im neuen "Horner Park" fanden Volks-, Tanz- und Kinderfeste statt, sowie sonntags und mittwochs Vorstellungen im Theatersaal. Für sonntags, mittwochs und freitags plante man Konzerte und allsonntäglich einen "Großen Ball" in der Festhalle. Stockmeyer warben mit 26 Fremden- und mehreren Clubzimmern, Billard, zwei guten Kegelbahnen, Stallungen für dreißig Pferde und zwölf Boxen für Rennpferde.
Älteste Postkarte vom Neubau der Lokalität um 1881 (Ersteller der Lithografie unbekannt)

Schon 1882 übernahm Wilhelm Sträter die Immobilie. Warum die Brüder Stockmeyer so schnell aufgaben ist nicht überliefert. Möglicherweise war es doch recht schwierig, einen solch großen Betrieb rentabel zu führen, zumal alle Veranstaltungen im Außenbereich wetterabhängig waren. Weitere rasche Gastwirtwechsel bestärken diese Vermutung, denn auch Wilhelm Sträter gab bereits 1884 auf, um fortan ein Lokal am Valentinskamp Nr. 31 in Hamburg zu bewirtschaften. Dabei schrieben die "Hamburger Nachrichten" noch am 17. Juli 1882: „Der Horner Park, vormals Letzter Heller, welcher bekanntlich vor einiger Zeit in den Besitz des Herrn Wilhelm Sträter übergegangen ist, übt jetzt noch in erhöhtem Maße seine Anziehungskraft auf das vergnügungslustige Publikum aus. In dem prächtigen Saal des Etablissements wurde trotz 26 Grad Réaumur (32,5° Celsius) fleißig das Tanzbein geschwungen. Im Garten concertirte eine vortreffliche Militair-Capelle. Die Restauration des Herrn Sträter wurde stark in Anspruch genommen; dieselbe darf als durchaus zufriedenstellend bezeichnet werden.ˮ
Die Besitzer wechselten bis zur Ausbombung im Kriegsjahr 1943 in rascher Folge; von 1897 bis 1902 mietete Albert Krohn den "Horner Park" und ihm verdanken wir die abgebildete Karte mit dem "Ballsaal (Salon)". Unabhängig vom jeweiligem Gastwirt blieb das Lokal bis zu seiner Zerstörung aber eines der größten Gaststätten Hamburgs. Auf einer Postkarte aus dem Jahre 1930 bewirbt der damalige Besitzer Rudolf Neubeyser das zum "Horner Volkspark" umbenannte Lokal mit "Ballsaal für 800 Personen und Garten mit 2000 Sitzplätzen"! Allerdings dürfte die Angabe "Ballsaal für 800 Personen" etwas übertrieben sein. Unsere Messungen auf alten Stadtkarten ergaben, dass der Ballsaal ca. 30m lang und 20m breit war, womit er eine Gesamtfläche von 600 qm (einschl. Bühne) hatte. Zum Vergleich: Der Saal im Stadtteilhaus hat mit ca. 180 qm (einschl. Bühne) ungefähr ein Drittel der Ballsaalfläche und darf von 120 Personen genutzt werden. Das Foto vom Ballsaal zeigt, dass auf der linken und rechten Seite in max. 14 Buchten Tische und Stühle für ca. 224 bis max. 336 Personen standen. Wir gehen daher davon aus, dass 400-500 Personen eine realistische Anzahl sind.
Text zur Geschichte des Lokals: Gerd Rasquin
Fotos: Historische Postkarten im Besitz der Geschichtswerkstatt Horn
Recherche zum Saal: Gerd von Borstel

Nachdruck - auch auszugsweise - nur mit Genehmigung!

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Dann melden Sie sich bitte telefonisch (040 659 01 444),
per Brief (Gerd von Borstel, Pagenfelder Str. 20, 22111 Hamburg)
oder Mail an: meine[ät]horner-geschichte.de.
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Das Archiv ist jeweils am 2. und 4. Mittwoch im Monat von 16:30 bis 19:30 Uhr geöffnet. Infos dazu finden Sie > hier

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